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Mentale Fitness im Tennis - Interview mit Carla Horlach



Cécile: Liebe Carla, ich freue mich sehr, dass du uns heute ein Stück auf deine Reise mitnimmst. Wie kamst du dazu, mentales Training fürs Tennis auszuprobieren?


Carla: Ausprobieren wollte ich es deswegen, weil man denkt, dass man mit 40 mit sich im Reinen ist und einen so ein Tennis-Match nicht erschüttern kann. Und plötzlich steht da so eine Gegnerin und es klappt gar nichts mehr. Man kommentiert jeden Schlag und ist so kritisch mit sich. Und das wollte ich nicht mehr. Sondern, dass man das, was man mit Leidenschaft macht, nicht mehr so bewertet und sich auf das fokussiert, um das es eigentlich geht. Also nicht um das kritische Kommentieren von Bällen, die dann eben ins Ausgehen und nicht dahin wo sie hinsollen. Ausgehend von der schweren Krise letztes Jahr, dass ich keinen Ball mehr ins Feld getroffen habe, habe ich viel gelesen und insgesamt mehr versucht bei mir zu sein und als du dann das Angebot gemacht hast mit dem Mentaltraining war das perfekt.


Cécile: Und was hast du aus dem Mentaltraining gemeinsam mit Deinen Mitspielerinnen mitgenommen?


Carla: Ich hab' mitgenommen, dass wir diese permanente Selbstkritik schon ganz früh erlernt haben und dass das ein absoluter Quatsch ist. Dass man lernt, wahrzunehmen, wie es gerade ist, ohne es zu bewerten. Was so richtig gezündet hat bei mir ist dieses Bewusstmachen von Momenten. Beispielsweise habe ich meinen Tennisschläger in der Hand und jetzt spüre ich einfach mal nach, wie sich mein Griffband anfühlt. Oder sich über die eigenen Routinen zu überprüfen und zu versuchen, mehr in der sinnlichen Empfindung zu bleiben (z.B. beim Händewaschen auf die Seife zu achten). Durch diese kleinen Tricks war die mir bekannte nervöse Einstellung vor dem Spiel: "Das verlierst du auf jeden Fall"  dann einfach weg. Es hat auch geholfen, die Bedingungen so zu nehmen, wie sie sind. Die Halle ist nicht top? Dann ist es eben so. Und mich davon nicht aus dem Flow bringen lassen.


Cécile: So cool, das freut mich zu hören! Und wie hat sich das dann auf dem Platz ausgewirkt?


Carla: Während dem Match hilft mir das Fühlen meines Griffbands am Tennisschläger und der kurze Fokus auf den Dämpfer. "So Carla, jetzt liest du kurz was da steht und dann spielst du diesen Ball rüber" . Ich habe das genutzt, was mir über den Weg gelaufen ist. Es war so voll wieder dieses große Selbstbewusstsein auf dem Patz da. Ich steh da und es kann mir eigentlich keiner was. Und wenn sie mir was können, dann ist es berechtigt, dann sind sie einfach besser. Und wenn man das macht, also so kleine Fokussierungsübungen, dann macht es einem gar nichts aus, wenn da Publikum ist oder sonstige störende Faktoren da sind. Das war mir dann einfach wurscht und das kenne ich so auch nicht.


Cécile: Welche Effekte hatte es auf dich über das Tennis hinaus?

Carla: Ich denke ganz oft daran. Jetzt spüre doch mal: "Wie fühlt sich das an z.B. beim Töpfe abspülen mit dem Stahlschwamm? :-) Oder auch mal bewusst die Hand in den Schnee drücken. Im Alltag ist es oft krass, wie schnell Momente oder der Tag an einem vorbeizieht, aber wie einen ganz wenige Sekunden wieder in den Moment holen können. Das tut gut :-)


Cécile: Ganz lieben Dank für das Interview, liebe Carla und ich wünsch' dir unendlich viele enthusiastische Momente auf und neben dem Tennisplatz!




Carla Horlacher ist nicht nur eine begnadete Tennisspielerin, sondern auch Mutter zweier Kinder und "ganz nebenbei" als Sozialpädagogin in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen tätig.

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